Wo lernen wir Männer eigentlich, Mann zu sein? Dieser und vielen anderen spannenden Fragen geht das Buch
Männerseelen des Diplompsychologen Björn Süfke nach.
Die Frage ist berechtigt, denn in unserer Kultur wächst der Junge in einer weiblichen Umgebung auf. Der "erwachsene" Mann wird im Klischee-Fall nach Feierabend als müder Krieger erlebt, der möglichst seine Ruhe haben möchte. Im besten Fall spielt der Vater noch die Rolle des "gutgelaunten Event-Managers" am Wochenende, und fertig ist das männliche Vorbild.
Genügt das, um das Mann-Sein zu lernen? Natürlich bei weitem nicht. Der Mann von heute soll erfolgreich und risikofreudig sein und sich durchsetzen können. Und wenn die Frau Lust hat, soll er seine Schaufel beiseite legen und mit ihr bei einem Latte macchiato über Gefühle diskutieren.
Alles nicht ganz einfach, wie die steigenden Scheidungsraten bezeugen können. Und was viele Frauen nicht bedenken: Wenn der Mann mit den Gefühlen der Frau scheinbar nicht umgehen kann, liegt es nicht daran, dass er sich nicht für das Weibliche interessiert. Im Gegenteil, das Weibliche fasziniert ihn und macht ihm gleichzeitig Angst. Nur darf er seine Angst in der traditionellen Rolle nicht zeigen, weil sonst die Sicherheit der Familie gefährdet ist.
Das Buch ist für Männer UND Frauen lesenswert. Denn so wie es aussieht, wird es auf diesem Planeten noch eine Weile beide Geschlechter geben. Und vor allem: Die Frauen sind unsere Erzieherinnen und sollten wenigstens der Spur nach wissen, wie wir ticken, oder?
Übrigens bilde ich mir ein, an meinen Seminaren etliche Vollblut-Männer getroffen zu haben. Gemeint ist damit natürlich nicht ein "fertiges Produkt", sondern ein Mann, der sich seiner Aggression (aggredere bedeutet heranschreiten) bewusst ist, sie dosiert und verantwortungsbewussst einsetzt, sich aber auch immer wieder seinen Ängsten stellt nach dem Motto "Wo die Angst ist, da geht's lang!"