Sonntag, 4. Januar 2009

Die Medienschaffenden wünschen sich eine Krise – gebt sie ihnen endlich!

Soeben in der Tagesschau von SF DRS gesehen:
Die Wintersportorte hatten über die Feiertage im Vergleich zum letzten Winter Umsatzsteigerungen von bis zu 20 Prozent zu verzeichnen. Kann man so etwas einfach stehen lassen und sich daran freuen? Nicht, wenn man Journalist ist!

Da hängt man gleich eine Touristik-Fachfrau dran, die prophezeit, dass Krisen sich im Tourismus immer verzögert auswirkten, und dass man demnach mit einem schlechten Sommergeschäft rechnen müsse. Ist das nicht unglaublich?

"Stell' Dir vor, es ist Krise, und keiner geht hin", kann ich da nur sagen. Und ich habe drei Argumente dafür, dass die Ausgabenfreudigkeit auch im Jahr 2009 anhalten wird:

  1. Wenn Multimillionäre und Milliardäre 30 Prozent ihres Vermögens verlieren, sind sie immer noch Multimillionäre und Milliardäre. Und so schnell gibt ein Mensch, der sich gewöhnt ist, im Luxus zu leben, seine lieben Gewohnheiten nicht auf. Also ist das Hochpreis-Segment schon mal nicht gefährdet.
    Einzig, wer sein Geschäft auf Neureiche ausgerichtet hat, wird leiden. Und das zu Recht!

  2. Die weniger gut Betuchten, die sich mit Massenlager und Picknick begnügen müssen, werden ja wohl nicht so blöd gewesen sein, das Vermögen, das sie gar nicht haben, an der Börse zu verspekulieren. Also ändert sich auch im Niedrigpreis-Segment nichts.

  3. Im mittleren Preis-Segment ist auch keine Änderung zu erwarten, denn dort gibt es zwei Menschengruppen: Diejenigen, die ihr Geld für mehr Lebensqualität ausgeben, und diejenigen, die von einer wundersamen Vermehrung ihres Geldes träumen. Erstere werden ihr Geld weiter ausgeben, Letztere werden weiter träumen.
Aber ich habe einen Vorschlag: Kündigt alle Zeitungs- und Zeitschriften-Abonnements, damit die Journalisten wenigstens in ihrer Branche die lang ersehnte und herbei geredete Krise endlich zu spüren bekommen. Das hat sowieso nur Vorteile. Wenn Ihr die Journies genügend erschreckt habt, könnt Ihr wieder ein neues Abo abschliessen und bekommt sicher dafür ein tolles Begrüssungs-Geschenk! ;-)

10 Kommentare:

Bruno Stanek hat gesagt…

Recht haben Sie, obwohl ich das als bis heute im Glashaus oft selber Sitzender nie unnötig laut sagen wollte. Wer ein Leben lang gegen Wunderglauben, Aberglauben, Okkultes und für die Anwendung von Wissenschaft und Technik statt ihre Nichtanwendung und für den darauf gründenden Optimismus gekämpft hat, darf so etwas nach vollendetem 65. Altersjahr auch mal noch lauter als üblich sagen.

Bruno Stanek,
Astrosoftware Dr. B.L. Stanek, www.Stanek.ch

Bodi hat gesagt…

Hahaha, ich gehe absolut einig mit Dir, Hans-Peter. Hab genau dasselbe gedacht bei diesem Beitrag. Ich kanns nicht mehr hören. Aber voilà, schon kommt die Krise, ebenso von unser aller SF verkündet: SF Videos, Tagesschau Mittagsausgabe vom 6.1.09, "Krise betrifft Medien", letzter Beitrag.

Greets,
Michael Bodmer

Andreas Schnepf hat gesagt…

Hallo HP,

Du schreibst: "Wenn Multimillionäre und Milliardäre 30 Prozent ihres Vermögens verlieren, sind sie immer noch Multimillionäre und Milliardäre. Und so schnell gibt ein Mensch, der sich gewöhnt ist, im Luxus zu leben, seine lieben Gewohnheiten nicht auf. Also ist das Hochpreis-Segment schon mal nicht gefährdet."

Warum 30 Prozent? Dein Beispiel lässt nur 30 Prozent zu? Auch einen Milliadär kann es treffen siehe Merckle:
"Merckle – mit rund 12,8 Milliarden Euro Vermögen fünftreichster Deutscher – hatte sich an der Börse verzockt. Mit Aktienspekulationen (unter anderem VW) soll er rund eine Milliarde Euro versenkt haben. Er stürzte damit auch sein Firmen-Imperium (Ratiopharm, HeidelbergCement) in ein tiefe Krise."

"Merckle kontrollierte mit seiner Familie ein weit verzweigtes Geflecht verschiedenster Firmen. Die drei wichtigsten Unternehmen – HeidelbergCement, Ratiopharm und der Pharmagroßhändler Phoenix – beschäftigen rund 100 000 Mitarbeiter und erreichen einen jährlichen Umsatz von insgesamt 30 Milliarden Euro. Aber: Die Merckle Unternehmensgruppe soll laut Presseinformationen rund 16 Milliarden Euro Finanzschulden haben."
Auch bei der Gruppe 3 die Du beschreibst ist ein Denkfehler.

Generell mag ich aber das herbeireden einer Krise auch nicht. Vielleicht kommt sie dadurch erstrecht.

Beat Zimmermann hat gesagt…

Der Fall Merckle ist ein Beispiel eines Menschen, der sich der Verantwortung nicht bewusst war. Wie Du ja selber sagst, hat er Geld an der Börse "verzockt". Das hat nichts mit überlegter Anlagestrategie zu tun. Zocken ist ein Indiz für die "More-Disease", also möglichst schnell möglicht viel. So jemand würde wahrscheinlich auch in einem Schenkkreis mitmachen, wenn man ihm das genügend süffig aufbereitet.
Ich war über Neujahr in Gstaad und habe mit vielen wohlhabenden Menschen gesprochen. Die sagen ausnahmslos alle, dass wenn einer jetzt in das Loch stürzt, sein Fundament nicht sauber betoniert war. Beispiel: An bester Wohnlage in Gstaad werden im Moment Wohnungen und Häuser zum Quadratmeterpreis (!) von 65'000 CHF gehandelt. Wenn jemand glaubt, man könnte im Moment sein Objekt dort nicht loswerden, oder die Preise würden fallen, den muss ich leider enttäuschen.

Ralf Bodemann hat gesagt…

Zu blöd, dass ich mein Tageszeitungs-Abo schon Anfang 2007 gekündigt habe. Weil die damals eine andere Gefahr herbeigeredet haben, die gar nicht existiert (Elektrosmog). Jetzt kann ich die nicht noch mal bestrafen! :-(

Aber ich fühle mich richtig befreit so ohne Tageszeitung! Was ich morgens für Zeit habe, in der ich mich nicht ängstigen muss...

Gruß
Ralf

zentao hat gesagt…

Lieber HP
ich habe mein Zeitungs Abonement schon lange gekündigt, ich lese im Internet und bilde mir meine Eigene Meinung. Man kann sich eine Krise auch heran reden, wenn wir glauben es gäbe eine Krise, dann gibt es auch eine Krise. Uns geschieht immer das was wir denken. Ich für mich selber glaube das gibt ein Super Jahr.
Liebe Grüsse zentao

Ralf Bodemann hat gesagt…

Der Spiegel, auch so ein böses Journalistenest, hat endlich den Schuldigen für die Krise gefunden: eine Bohne, die ursprünglich aus Äthiopien stammt: klick!

Halluzinationsfreier Gruß
Ralf

Ironbird hat gesagt…

Nach der Krise sind die Medien auf den Helden vom Hudson umgeschwenkt.

Ich bin selbst Pilot und habe dabei folgenden Artikel gefunden:

http://www.wsws.org/de/2009/jan2009/huds-j21.shtml

Es geht um das Pradoxon von Kostenfaktoren - Helden - Krise und wie die Presse damit umgeht.

Einmal ein etwas anderer Blickwinkel - nur so zum Nachdenken

Safe flights
Christoph

Michael Hoffmann hat gesagt…

„Wenn Multimillionäre und Milliardäre 30 Prozent ihres Vermögens verlieren“, dann begehen sie ja angeblich deswegen Selbstmord (wer das glaubt wird selig).

Noch seliger wird allerdings, wer glaubt dass von heute auf morgen hunderttausende Häuslebesitzer plötzlich gemerkt haben, dass sie ihre Hypothekenzinsen nicht mehr bezahlen können, womit dann alle diese Häuser vollständig ihren Wert verloren haben und die Banken somit über Nacht vor ruinösen Wertberichtigungen standen.
Am seligsten wird, wer dann noch glaubt dass z.B. Opel schon ganze 24 Stunden später einen dramatischen Rückgang seiner Umsätze spüren musste und quasi vor dem Ruin stand.

In diesem Himmel der Seligen sitzen jetzt die ganzen Medienbetreiber und sie wissen, es könne sie aus dem Paradies vertreiben wenn sie diesen ganzen Quatsch mal hinterfragen würden.

petra hat gesagt…

Ich ärgere mich schon seit langem über die Medien. Kurz nach Neujahr konnte man in einer österreichischen Zeitung (KURIER) lesen "15 Prozent Umsatzplus im Weihnachtstourismus - jetzt Panik vor der Sommerkrise" Verdammt, was schreiben die, wenn diese Krise im Sommer auch nicht kommt!

Liebe Grüße
Petra