Mittwoch, 21. Januar 2009

Bitte einmal die Welt flicken - wenn's geht, kostenlos!

Eine Diplompsychologin, die bereits bei einem anderen Hypnose-Ausbilder Seminare besucht hatte und dann zu mir fand, äusserte sich kürzlich wie folgt:

Deine Seminare sind in Sachen Methodik und Didaktik unerreicht. Was mich aber besonders ansprach, war die Einsicht, dass man mit Therapie ja sogar Geld verdienen darf!
Diese Haltung trifft man bei Helfer-Berufen auf Schritt und Tritt: Man sollte möglichst 24 Stunden zur Verfügung stehen, und das wenn möglich auch noch kostenlos. Denn Helfendürfen ist doch schliesslich ein Privileg!

Ich traue mich mal folgende gewagte These zu äussern: Die chronische Überlastung von Ärzten und Pflegepersonal in unseren Spitälern liegt nicht an den äusseren Umständen, sondern am Helfersyndrom des Personals. Wenn Ärzte und Pflegepersonal ihr schlechtes Gewissen ablegen würden, was glaubt Ihr wohl, wie schnell die Politik reagieren müsste, um mehr Stellen zu schaffen?

Kommentare bitte nur von Menschen mit Helfer-Syndrom ;-)

3 Kommentare:

Michael Hoffmann hat gesagt…

Berufswahl ist halt kein Zufall. Helfen dürfen wird von uns Syndrombehafteten allerdings weniger als Privileg, sondern (viel schlimmer!) als Grund für unsere Daseinsberechtigung empfunden.

Als Inhaber eines Privilegs hätte man ja evtl. noch das Selbstbewusstsein sich nicht alles gefallen zu lassen. Aber wenn der „Sinn“ auf dem Spiel steht, gibt es keine Handlungsfreiheit.

Die Erkenntnis, dass die Daseinsberechtigung bei der Geburt im Set gleich mitgeliefert wird und man sich darüber also keine Sorgen machen muss, hilft schon ein wenig.

Mit freundlichen Grüßen
Michael Hoffmann

Ralf Bodemann hat gesagt…

Hallo Hans-Peter,

bitte nicht noch mal so eine Überschrift!
Habe beim ersten Lesen doch glatt ein "l" übersehen...

Ansonsten: Danke für die Gehirnwäsche mit Klarspüler!

Gerade gestern habe ich mit einem Miteigentümer unserer Wohngemeinschaft über einen Wechsel der Hausverwaltung gesprochen. Da durfte ich wieder einmal spüren, wie gering ausgeprägt die Tendenz zur Wertschätzung bei vielen Leuten ist.

Gruß
Ralf

Stefan Scholz hat gesagt…

Habe vor einigen Tagen folgende These gelesen (leider ist mir entfallen, wo): Der Pflegeberuf ist eng mit einer inneren "Berufung" verknüpft - nur wer sich "berufen" fühlt, kann mit Empathie und Leidenschaft diese menschlich und fachlich anspruchsvolle Arbeit gut verrichten - und macht das auch für sehr wenig Geld, wie AltenpflegerInnen, KrankenpflegerInnen.... Und weiter: Wäre die Bezahlung deutlich besser, ja könnte man gar in einem Pflegeberuf auch finanziell gesehen "Karriere" machen, würden auch Menschen in diesen Beruf einsteigen, denen die "Berufung" dafür fehlt. Also ist das niedrige Gehaltsniveau so etwas wie eine "Qualitätssicherung" bei der Personalauswahl...