Obschon ich ja ein liberaler Geist bin, habe ich mich innerlich immer gegen Sterbehilfe-Organsiationen gewehrt. Besser gesagt: Mir ist es egal, ob jemand so etwas in Anspruch nimmt; ich kann mir nur nicht vorstellen, dass ich es jemals täte.
Und nun finde ich in Psychologie heute eine wunderbare Begründung dafür aus der Feder der Sterbebegleiterin Monika Renz:
Sterben ist gerade nicht ein Akt der Selbstbestimmung. Man könnte sagen, Sterben ist eine letzte narzisstische Kränkung. Sterben ist tatsächlich ein Loslassen all dessen, was das Ich bedeutet, meine Identität ausmacht, und am Ende steht dann offensichtlich diese Erfahrung, dass es etwas darüber hinaus gibt, etwas jenseits des Ichs.Das finde ich einen interessanten Aspekt, den ich mal in meinen eigenen burschikosen Worten ausdrücken möchte: Kontroll-Freaks bleiben Kontroll-Freaks bis in den Tod!
Was meint Ihr dazu?

8 Kommentare:
Hmm, ein interessanter Aspekt, finde ich. Ich denke, beides ist möglich. Der Kontroll-Freak will selbst bestimmen, wann er geht. Und der, der alles losgelassen hat und jetzt den Rest des Weges abkürzen möchte ist meiner Meinung auch da. Der aktuelle Fall scheint mir zur zweiten Gruppe zu gehören. Ich habe aber auch schon von Fällen gehört, die ich als Kontroll-Freaks ansehen würde. Ich selbst finde es gut, die Option zu haben. Wie ich mich dann im Fall der Fälle entscheiden werde, weiß ich heute noch nicht. Was ich aber weiß ist, daß die künstliche Verlängerung des Lebens um fast jeden Preis mir auch etwas für die Abteilung der Kontrolleure zu sein scheint, die auch dann nicht loslassen wollen, wenn der Gong zum dritten Mal schlägt.
Herzliche Grüße
Stefan Blohm
Monika Renz schreibt: "... und am Ende steht dann offensichtlich diese Erfahrung, dass es etwas darüber hinaus gibt, etwas jenseits des Ichs."
Nun, wieso und wem ist es OFFENSICHTLICH, daß es etwas über das Sterben hinaus gibt, etwas jenseits des Ichs? Also, mir ist das nicht sichtlich, weder offen noch verdeckt; denn ich bin noch nicht gestorben und von denen, die es sind, (Christen und Tibeter bitte weghören) ist noch keiner zurückgekehrt der davon berichten könnte.
Ich mag es nicht, wenn unter dem Mäntelchen der Wissenschaft immer mal so ein wenig Weltanschauung oder gar Religion mit eingeträufelt und damit der unaufmerksame Leser manipuliert wird.
Herzliche Grüße
Stefan Blohm
ich denke, die aussage -Sterben ist gerade nicht ein Akt der Selbstbestimmung- ist einfach richtig und zwar egal wer in welche richtung manipuliert, verlängern oder abkürzen oder sein lassen.
glaube nicht, dass das schicksal es einem so einfach macht, jeder hat doch das recht auf seinen ganz persönlich zugeschnittenen tod und den manipulieren wahrscheinlich nicht irgendwelche menschen, auch wenns so aussieht, sondern es wird einfach eine quintessenz des gelebten lebens sein.
hab noch viel vor, aber als neugieriger mensch freu ich mich drauf...
@ stefan
finde übrigens -und passiert mir auch immer wieder- dass unaufmerksame menschen manipuliert gehören ;-)
Na ja, Anonym, wenn nun jeder das Recht auf "seinen" Tod hat und der nicht von Menschen manipuliert wird warum operieren wir dann eine Blinddarmentzündung? Der Mensch ist ebenso Bestandteil der "Schöpfung" wie ein "Schicksal" und alle anderen Dinge, die es gibt. Also ist auch sein Eingriff in das Leben und Sterben nichts anderes als jeder andere Verlauf der Dinge, oder?
Herzliche Grüße
Stefan Blohm
@Stefan:
Dass man Dir auch immer alles erklären muss ;-)
Das "offensichtlich" kommt von einer Frau, die, im Gegensatz zu Dir, schon zahlreiche Menschen in den Tod begleitet hat. Und "offensichtlich" hat sie so etwas beobachtet wie "das Loslassen des Ichs", und das scheint bei vielen eine neue Art der Glückseligkeit zu bedeuten.
Nur weil jemand aus seinen Beobachtungen eine Hypothese ableitet, ist das noch lange keine Manipulation. Sonst hätte Einstein uns mit seiner Relativitätstheorie auch manipuliert, oder?
Im übrigen hat Frau Renz ganz und gar nicht das Deckmäntelchen der Wissenschaft übergeworfen, sondern lediglich von ihren Erfahrungen und ihrer Weltanschauung berichtet.
@Hans-Peter:
Ich arbeite noch an den Blockaden, die dafür sorgen, daß ich so oft falsch verstanden werde ;-)
Also, ich zweifle keine Erfahrung oder Beobachtung an, das steht mir nicht zu.
Was ich aber anzweifle ist, daß man beobachten kann, daß es "etwas über das Sterben hinaus" gibt, also etwas das hinter oder nach dem Sterben kommt. Vielleicht gibt es das, aber das wissen wir nicht und das ist auch gut so, finde ich.
Herzliche Grüße
Stefan
Zitat: "das Loslassen des Ichs"
damit habe wohl einige Probleme..
könnte das damit zu tun haben daß man bis zu dem Zeitpunkt X über das "Wesen des Ichs" eine Vorstellung hatte, die eines Tages (X) zusammenbrechen muss, weil sie nicht mehr standhalten kann angesichts neuer Erfahrungen ? Kurz gesagt: Man ist Zeit seines Lebens einer Selbsttäuschung erlegen? Das ist ganz sicher ziemlich schwierig für die meisten, sich dies eingestehen zu müssen...
So long
Salomee
(mit Nahtoderfahrung)
1. Jede Kommunikation ist Manipulation!
(Beweis: Hättet Ihr hier nicht über Manipulation diskutiert, hätte ich das Statement nicht abgesondert. Da sehr Ihr mal, wie Ihr mich manipuliert habt! ;-) )
Aber nicht jede Manipulation ist schlecht!
2. Sterben kann das "Ich", die Vorstellung, die der Verstand von der eigenen Identität hegt, auch, wenn der Körper weiterlebt. Das habe ich besonders heftig während einer Depression erlebt.
Aber: Der Körper lebt weiter, so was wie Seele oder Bewußtsein ebenfalls. Genau das meint m.E. Monika Renz, wenn sie sagt, "dass es etwas darüber hinaus gibt, etwas jenseits des Ichs."
Für mich ist das Sterben des Ichs immer wieder eine befreiende, wenngleich schmerzhafte Erfahrung. Aber auch hier macht Übung den Meister. ;-)
Gruß
Ralf
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