Freitag, 14. November 2008

Ist "Spuren hinterlassen" etwas Schlechtes?

Wer kennt sie nicht, diese böse, böse Firma,

  • die uns gratis ermöglicht, dass wir im Internet schnell etwas finden?
  • die unsere Videos gratis hostet und den millionenteuren Traffic selbst bezahlt?
  • die uns gratis wunderbare Tools für unser Internet-Marketing zur Verfügung stellt?
  • die uns gratis weltweite Landkarten und Satellitenbilder zur Verfügung stellt?
Böse, böse Firma Google! Wir möchten wieder zurück in die Steinzeit, und Du verunmöglichst uns das!

Und jetzt hackt auch noch der "Kassensturz", das Konsumentenschutz-Magazin des Schweizer Fernsehens, auf Dir herum. Dein Web-Analyse-Programm Google Analytics dürfe man nur verwenden, wenn man auf seiner Web Site einen Datenschutz-Hinweis platziere. Ach ja? Und wie ist das, wenn man in der Migros einkaufen geht? Muss dann die Kassierin auch darauf hinweisen, dass beim Vorweisen der Cumulus-Karte sämtliche Einkäufe (inklusive Pariser mit Erdbeergeschmack) registriert werden? Muss das Luxushotel in der Karibik mich schriftlich warnen, dass beim Bezahlen mit Kreditkarte der genaue Betrag für meine Nobel-Suite auf immer und ewig abrufbar ist? Und muss ich jeden, der sich bei mir zu einem Seminar anmeldet, darüber informieren, dass er jetzt in meiner Datenbank als Kunde gespeichert ist?

Warum diese Neo-Paranoia ausgerechnet in Deutschland ihre Wurzeln hat, ist mir ehrlich gesagt ein Rätsel, und ich mag es nicht schon wieder auf die Hypothek des Dritten Reiches zurückführen. Meine Lieben, vielleicht darf ich Euch daran erinnern, dass das Dritte Reich von einem Einfaltspinsel gegründet wurde und nicht von ein paar cleveren IT-Experten. Intelligente Menschen sind höchstens bei James Bond ein Problem, nicht aber im wahren Leben. Um es mit Désirée Nosbusch zu sagen: Nicht auf die Vielfalt sollten wir acht geben, sondern auf die Einfalt.

Im übrigen: Was ist eigentlich so schlimm daran, auf diesem Planeten Spuren zu hinterlassen? Wünschen sich diese Anonymo-Maniker, dass ein halbes Jahr nach ihrem Tod keiner mehr weiss, dass sie jemals existiert haben? Ich fordere Euch alle auf: Hinterlasst Spuren! Wozu sind wir sonst hier? Wer keine Spuren hinterlassen will, soll doch gleich abtreten.
Oder was meint Ihr dazu?

13 Kommentare:

Entspanne-richtig hat gesagt…

Ich kenne einige die Angst davor haben Spuren im Netz zu hinterlassen. Die Angst, etwas von sich preis zu geben.
Möglicherweise hat das ja etwas mit einem schlechten Selbstbewusstsein zu tun. Sollte jemand der Meinung sein nicht gut genug zu sein, möchte dieser jemand möglicherweise auch keine Spuren hinterlassen.
Etwas von sich preis zu geben bedeutet möglicherweise auch Kritik zu ernten. Etwas vor dem viele Menschen Angst haben.
Lass mich raten. In deinen Seminaren lernt man mit solchen
Problemen umzugehen.

Liebe Grüße in die Schweiz,

Stefan

Beat Zimmermann hat gesagt…

Interessanterweise haben meistens die Leute eine tierische Angst, die sowieso so was von uninteressant sind. Ich verstehe sowieso nicht, wie Leute darauf kommen, es könnte jemanden interessieren, welche Zahnpasta sie benutzen, welches ihre Lieblings-Sexstellung ist oder um welche Zeit sie aufstehen.

Paul F. Hösli hat gesagt…

Paradox an der Sache ist doch, dass die Sendung des Fernsehens immer aufgezeichnet ist.

Je nach Einschätzung von den sich damit befassenden Historikern wird der Beitrag dann noch für kommende Generationen archiviert - und damit sind die Personen im Beitrag womöglich um Jahrhunderte länger registriert als bei Google.

Fernsehsendungen sollten deshalb unbedingt einen Datenschutz-Hinweis für alle in den Sendungen auftretenden Personen haben.

Frederik Kreijmborg hat gesagt…

Achtung, ich habe gerade eine Spur hinterlassen; mögen die Google-Spider-Bots mich aufspüren und für immer ihrem Index hinzufügen!

@beat zimmerman:
Uninteressant ist wohl niemand, aber die Angst davor, es zu sein, ist bestimmt ein Grund dafür, dass eben diese scheinbar langweiligen Kreaturen (Langeweile ist ein Gedicht!) sich vor der Preisgabe ihrer achso-ich-gähne-gleich-uarh-Lebensgewohnheiten fürchten.

Was sollen bloß die Nachbarn denken?

Werner Maier hat gesagt…

Ja .. auch ich benutze diesen bösen Dienst Google Analytics auf meinen Webseiten
Und ja .. auch ich spioniere damit die User aus, die auf meinen Seiten landen.

Aber genau dieser Dienst hat mir auch gezeigt, dass nur lächerliche 0,1 Prozent aller Besucher auf den "Datenschutz Hinweis" klicken, obwohl dieser gut sichtbar im Menü untergebracht war. Inzwischen habe ich die Datenschutz Seite wieder entfernt, da sie fast nicht beachtet wurde und stattdessen ein Gästebuch angebracht.

Solch eine Zwangsverordnung bringt keinerlei Verbesserung, sie wird vom "normalen Anwender" noch nicht einmal gewünscht.
Es gäbe so viel wichtigere Themen um die man sich kömmern sollte .. aber leider haben die Verantwortlichen die wahren heißen Eisen noch nicht erkannt - oder wollen sich halt einfach nicht darum kümmern, weil es vielleicht zu viel Mühe machen würde.

Grüße
Werner

Hans J. Bolzhauser hat gesagt…

...gut Hans-Peter! Ich bin seit vielen Jahren Google-Fan. Denn wer richtig fragt bekommt auf alles eine Antwort (ich habe auch einige Google-Alert - z.B. Hypnose, so lande ich ab und zu auch wieder bei HPZ).
Ich bin absolut für Spuren hinterlassen. Video, DNA, Bank. Da haben doch viele Rechtsbrecher Probleme damit! Diese Spuren werden von unseren Datenschützern geschützt. Ich hinterlasse viele Spuren und habe keine Probleme damit, denn ich stehe zu allem was ich mache. Wer Dreck am Stecken hat, muss eben seine Spuren verwischen. Und das noch mit staatlicher Unterstützung...
Also hinterlassen wir weiter Spuren, gäll Hans-Peter!
E schöne Gruess us Basel
Hans J. Bolzhauser

Und noch zu Deinem Einfalts-Pinsel: Dieser war für mich, nach Jesus, der beste Hypnotiseur...
Was beweist, dass man mit dieser Technik auch sehr viel Mist bauen kann (aber das weisst Du ja auch!)

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

@ Paul Hösli:
Super-Argument! Das sollte man den Kassensturz-Verantwortlichen sagen. Wer weiss, was die Fernseh-Archivare in 100 Jahren aus diesen Sendungen machen ;-)

Stefan Loosli hat gesagt…

Eine berechtigte Frage jedoch ist, braucht die Welt die "Spur", ob jemand nun Pariser mit Erdbeer-, oder Vanillegeschmack am 16. Okt gekauft hat? Und findet derjenige es nun toll, jeden Tag 100 Spammails zu erhalten, wo einem irgendwelche Heinis Pariser zum Vorzugspreis andrehen wollen?
Google ist absolut genial, und verdient unseren Dank.
Datenschutz jedoch hat auch grossen Nutzen, und nicht jeder, der seine Privatsphähre gewahrt haben will, hat "Dreck am Stecken", ist langweilig, uninteressant, oder hat ein "schlechtes(?!?!) Selbstbewusstsein".
Spuren hinterlassen ist ok, aber der Geschmack meiner Pariser geht auch Google nichts an !

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

Hallo Stefan

Ich wette mit Dir um die Jahresgage eines Cargolux-Jumbopiloten, dass Du noch NIE eine SPAM-Mail erhalten hast, die aufgrund von Google zustande kam.

Im übrigen bedeutet KEIN Pariser-Konsum möglicherweise, dass Du bei Deiner Piloten-Tätigkeit auf der ganzen Welt Kinder zeugst ;-)

Stefan Loosli hat gesagt…

Hallo Hans-Peter
Ich denke das mit dem Kinder zeugen habe ich einigermassen im Griff, ...oder sagt Google-Analytics da was anderes?! ;-)
Das Spam Problem beziehe ich nicht auf Google, sondern auf das Spuren hinterlassen, und wer heute viele Spuren hinterlässt, der wird ins Elend gespamt, und da wird das "Spurensammeln" meiner Meinung nach zum Problem.

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

@ Stefan Loosli:
Stimmt einfach nicht. Ich hinterlasse viele Spuren (sogar meine unverschlüsselte E-Mail), und der SPAM hält sich absolut in Grenzen.
Die Firmen im EU-Raum müssen sich ja bei Newslettern an das Prinzip "Permission Marketing" halten. Und das tun die meisten auch. Den anderen muss man nur mit einer Abmahnung drohen, dann ist man sie auch los.

Beat Zimmermann hat gesagt…

@ Stefan Loosli

Sehe ich auch wie mein Bruder. Ich hinterlasse Spuren ohne Ende und die Spam Flut hält sich eigentlich in Grenzen. Und zwar ohne, dass ich einen aggressiven Filter benutze. ich denke, was bei mir an Spam reinkommt, ist aufgrund der publizierten Email Adresse auf meiner Website.
Übrigens, ein Arbeitskollege von Dir, Beat Knutti, auch Captain auf der 747 benutzt auch Pariser mit Passionsfrucht-Geschmack. Wie Du. Habe ich grade bei Google Analytics gesehen ;-)

Kim hat gesagt…

Ich hinterlasse jetzt auch eine Spur. Habe erst vor kurzem, das tolle Angebot von Google entdeckt (Kalender, Mail, Text u. Tabellen). Was ich allerdings vermeiden möchte, ist ELGA.Das ist eine in Österreich angedachte Datenbank, auf der alle Gesundheitsrelevanten (eigentlich sind es Krankheitrelevante Daten) Daten gespeichert werden, weil dadurch schon riesen Probleme entstehen können, wenn ein Arbeitgebr oder eine private Versicherung darauf zugreifen können. Denn meine Gesundheit geht nur mich was an., finde ich!

Liebe Grüße
Kim Michalek