Lust auf eine kleine Geschichte?
Vor einigen Jahren waren wir auf Usedom im Urlaub. Für Geografie-Schwache: Usedom liegt in Mecklenburg-Vorpommern, also der ehemaligen DDR.
Ein Fahrrad-Ausflug führte uns eines schönen Nachmittags nach Kaminke, einem kleinen Ort am Stettiner Haff. Da zog auf einmal ein Gewitter auf, und wir hatten keine Lust, eine Stunde zurück zum Hotel zu fahren und uns durchnässen zu lassen.
Wir fragten eine Frau mittleren Alters, ob sie die Telefonnummer eines Taxi-Unternehmens kenne. Die war sturzbesoffen und fluchte nur über "den Polen" da drüben (Kaminke liegt direkt an der polnischen Grenze), der bald in die EU komme und dann alles kaputt mache. Und auch die nüchternen Menschen an der Fischbude wollten nichts von einem Taxi-Unternehmen wissen.
Endlich machten wir eine einsame Telefonzelle ausfindig und fanden ein Taxi-Unternehmen mit grossem Taxi und damit auch Platz für unsere Fahrräder. Der Fahrer und Junior-Inhaber wunderte sich über die Leute am Hafen, denen er doch schon oft seine Visitenkarten gegeben habe. Die müssten wissen, dass es ein Taxi-Unternehmen gebe. "Wahrscheinlich gönnen sie mir das Geld nicht", meinte er, und äusserte sich ähnlich wie die anderen über "den Polen", der bald in die EU komme, und dann würde das Leben für hiesige Unternehmer noch härter.
Der Mann lud uns vor dem besten Haus der Insel ab, der Taxameter zeigte 25 Euro, und ich wollte ihm eigentlich 30 geben, weil ich so dankbar war, dass wir nicht ins Gewitter geraten waren. Doch der Taxi-Betreiber verlangte nur 20 Euro.
Wozu das denn? Wollte er mein Freund werden? Wollte er dem Polen schon mal vorgreifen, der sowieso in ein paar Jahren alles billiger anbieten würde? Ich habe es nie verstanden. Aber wenn dieser Mann zufälligerweise in meinem Blog schmökern sollte, sage ich ihm jetzt Folgendes:
"Mein lieber Freund, wenn Du Geld verdienen willst, musst Du Dir erst einmal der Wirkung Deiner Arbeit bewusst sein. Für mich hätte Deine Wirkung (die Leistung ist mir egal) ruhig auch 50 Euro kosten dürfen.
Und dann vergiss bitte den Polen. Der nimmt Dir nämlich nichts weg, wenn Du freundlich und zuvorkommend bleibst. Es gibt immer genügend Menschen auf der Welt, die nicht die billigsten Produkte und Dienstleistungen kaufen, und wenn Du für die da sein willst, werden sie Dich finden. Aber Du musst ein klares Zeichen setzen, für wen Du da sein willst. Du kannst nicht im 'Billig-Markt' und im 'Exklusiv-Markt' gleichzeitig sein. Und glaube ja nicht, dass der liebe Gott Dich dereinst belohnt, wenn Du Dich für den Billig-Markt entschieden hast.
So, und jetzt ab nach Kaminke. Da wartet sicher ein wohlhabendes Ehepaar, das Du vor dem Gewitter retten kannst."
Ach so, hätte ich ihm noch mein Gratis-Buch Geld ist schön empfehlen sollen? Uuuups, schon zu spät...

1 Kommentare:
Erst vor kurzem konnte ich in der Zeitung lesen, dass kein anstieg von Kriminalität so wie befürchtet stattgefunden hat. Ganz im gegenteil. Die Kriminalität ist sogar auf beiden Seiten gesunken und der Absatz auf beiden Seiten gestiegen.
Außerdem muss man an der Grenze nicht mehr stunden lang warten. Ein Besuch in Polen kann ich nur empfehlen. Dort gibt es nicht nur jede menge bildhübscher Mädels, sondern auch eine tolle Landschaft mit viel Natur.
Liebe Grüße,
Stefan
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