Donnerstag, 23. Oktober 2008

Was ist ein Abzocker?

Bei uns in der Schweiz wird vermutlich Anfang 2009 die so genannte "Abzocker-Initiative" vors Volk kommen. Das ist eine Initiative gegen überhöhte Manager-Löhne.

Die Initiative verlangt unter anderem, dass Top-Gehälter von der Generalversammlung der Aktionäre festgesetzt werden sollen. Hier sind die Details zur Abzocker-Initiative.

Mich interessiert bei solch populistischen Begriffen immer, wie der Mann oder die Frau von der Strasse den Begriff definiert. Es besteht nämlich die Gefahr, dass unter solch vagen Ausdrücken sich eine riesige Bandbreite an konkreten Inhalten versammelt.

Ist ein Abzocker einfach einer, der viel Geld verdient? Und wenn ja, was ist "viel Geld"? Günter Jauch hat einmal auf die Frage, was er mit einer Million auf dem Konto täte, geantwortet "ich müsste mich halt ein wenig einschränken". Was nach einem Witz klingt, ist bitterer Ernst. Jeder, der in seinem Leben den Geldfluss erhöht hat, weiss, dass man sich nach wenigen Monaten an den neuen Standard gewöhnt hat und einfach mit ganz anderen Ellen misst. Wenn für mich heute 1000 Franken wenig Geld sind, hat das mit Arroganz weniger zu tun als mit Gewöhnung.

Aber zurück zur Frage: Was ist ein Abzocker? Die Antwort ist einfach: Ein Abzocker ist ein Mensch, der für viel Geld wenig Wirkung bietet. Man beachte: Wirkung, nicht Leistung! Wer das nicht versteht, sollte sich meinen Power-Podcast Nr. 3 anhören. Wer für viel Geld viel Wirkung anbietet (ich zähle mich dazu), der ist kein Abzocker, sondern ein Exklusiv-Anbieter. Wer für wenig Geld viel Wirkung anbietet, ist ein Depp (Schweizer Marketing-Fachbegriff).

Daniel Vasella, der Chef des Novartis-Konzerns, kassiert pro Jahr 30 Millionen Franken. Ob er sie auch verdient, könnten wir erst dann beurteilen, wenn ein anderer die Firma leiten und sie in den Ruin treiben würde. Bis jetzt wissen wir nicht, ob die Firma Novartis ein Selbstläufer ist und Vasella lediglich zur Zierde da ist wie etwa das britische Königshaus, das ja auch viel kostet und wenig Mehrwert generiert.

Ich weiss nur eines: Ich möchte weder mit Vasella noch mit einem Mitglied des britischen Königshauses tauschen. Und daher haben diese Leute mit meinem Leben realtiv wenig zu tun... ausser dass sie für einen weiteren Blog-Eintrag sorgen ;-)


Kommentare:

Ralf Bodemann hat gesagt…

Jaja, der fehlende Referenzindex. Oder wie hieß das noch gleich, wenn alle wie hypnotisiert auf einen undefinierten Begriff abfahren? ;-)

Meine Meinung: Wer eine entsprechende Wirkung erzielt, soll auch gutes Geld verdienen.
Aber der, der mein gutes Geld verspekuliert, soll mir mit seinem guten Geld dafür haften. Zumindest sollte solch eine Fehlwirkung auch auf seinem Gehaltszettel Wirkung zeigen.

Gruß
Ralf

Jens Engelhardt hat gesagt…

Ich gehe mit Ralf einig. Wenns gut läuft bin ich voll und ganz für grosse Gehälter. Wer die Firma aber in Schwierigkeiten manövriert muss auch dafür geradestehen. Rückwirkend wir die Initiative aber nichts mehr ändern...

YodaL hat gesagt…

Ich sehe das fast genaus wie meine Vorredner. Eines sollte man jedoch bedenken:
Viele Vorstände arbeiten eben nicht auf eigenes Risiko, weil sie beim Unternehmen angestellt sind! Bei diesen Vorständen, die nicht persönlich für ihr schlechtes Management haften, sollte es sehr wohl Grenzen geben. Wenn ein Manager ein Unternehmen mit Hilfe von Spekulationen oder Verkäufen zwar auf dem Papier erfolgreich führt, aber wenig Wirkung auf die Produktivität oder auf nachhaltige Innovationen eines Unternehmens hat und am Ende noch mit einer millionenschweren Entschädigung verabschiedet wird, sollte das durchaus kritisch hinterfragt werden. Ich habe jeden Respekt vor Unternehmer, die auf eigenes Risiko arbeiten, denn sie tragen bei Fehlern auch die Konsequenzen. Doch die kennen in der Regel den Wert der Arbeit und nicht nur den Preis.

Mein Vorschlag für eine Referenz ist der Gehaltsunterschied vom kleinsten Mitarbeiter zum Vorstand. Hat ein Vorstand mit seiner Arbeit wirklich die 600fache Wirkung seines zB. Pförtners? Woran kann bei einem grossen Unternehmen die Wirkung gemessen werden?

Es sollte die Verhältnismässigkeit gewahrt bleiben. Und wenn in Deutschland Menschen arbeiten und mit ihrem Gehalt ihren Lebensunterhalt nicht mehr bestreiten können und wenn viele Kinder wieder in Suppenküchen verköstigt werden müssen, weil das Einkommen der Eltern hinten und vorne nicht mehr reicht, während ein Investmentmanger nahezu 1 Mrd. Euro Einkommen hat, ohne für seine Fehlinvestitionen zu haften, dann kann ich die Wut der Menschen sehr gut verstehen. Mich macht sowas wenigstens wütend.

Die Initiative ändert nichts mehr an der Vergangenheit, sie kann lediglich für die Zukunft einstehen.

herzliche Grüsse aus Stuttgart

YodaL