Mittwoch, 15. Oktober 2008

Unser Finanzsystem - ein Gedicht!

Ich bin ja kein Schwarzmaler, wie Ihr wisst. Und ich bitte, dieses Gedicht mit dem nötigen Humor zu geniessen, denn ohne Humor erträgt man es gar nicht ;-)
Und denken wir bitte immer daran: Es sind nicht die äusseren Ereignisse, die unsere Lebensqualität bestimmen, sondern das, was wir draus machen!

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muss eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nicht mehr bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
wird ein bisschen Krieg gemacht.

(Verfasser unbekannt, und wenn er bekannt ist, soll er sich bitte melden, damit er hier seine verdienten Lorbeeren ernten kann)


Kommentare:

Bernhard Becker hat gesagt…

Hallo Hans-Peter,

das Gedicht ist von Frank Meyer. Du findest mehr darüber auf:
http://www.wiwo.de/finanzen/die-angst-vor-der-rezession-waechst-308692/comments/

Herz-Lichte Grüße

Bernhard :-)

Ralf Lehnert hat gesagt…

Hallo,

und nach meiner Recherche hat Kurt Tucholosky das Gedicht geschrieben und 1930 in der Wochenzeitschrift "Die Weltbühne" veröffentlicht, fünf Jahre vor seinem leiblichen Tod.

Gibt's noch andere Vorschläge:-)?

Viele Grüße
Ralf L.

Ralf Bodemann hat gesagt…

Hallo Vornamensvetter,

wo hast Du denn das Tucholsky-Gerücht her?
Ich habe den Jahrgang 1930 von Tucholskys Gesammelten Werke (die rororo-Ausgabe) durchgeschaut, konnte aber das Gedicht nicht finden.

Zudem ist die Form ausgesprochen untypisch für Tucholsky. Vierzeilige Strophen mit Paarreimen findet man bei ihm selten. Fast alle seine Gedichte sind als Couplet-Texte konzipiert - mit Refrain etc.

Auch die Wortwahl lässt auf ein späteres Produktionsjahr schließen. Ausdrücke wie "Leerverkauf", "Derivate", "Umverteilung" kannte man vielleicht in den 30er Jahren schon - aber eher in Expertenkreisen als in der breiten (Journalisten-)Masse!

Gruß
der andere Ralf

Ralf Lehnert hat gesagt…

Hallo Ralf,

diese Gedanken mit der "modernen" Wortwahl haben mich später auch stutzig gemacht. Zuerst dachte ich: Das könnte zeitlich gut hinhauen, Veröffentlichung kurz nach dem Schwarzen Freitag im Oktober 1929. Wenn das so wäre, so wären es Hammer-Parallelen.

Wo diese Infos stehen? Einfach bei Google eine Zeile des Gedichtes eingeben plus Tucholsky oder wahlweise plus Wrobel. Es gibt auch Hinweise im Internet, dass er es unter dem Pseudonym Ignaz Wrobel veröffentlicht hat. Nachprüfen kann ich diese Informationen nicht.

Viele Grüße
Ralf

ralf bodemann hat gesagt…

Hallo Ralf L.,

jetzt habe ich auch den Jahrgang 1929 durchgeblättert. Aber das Gedicht war nicht dabei.

Mittlerweile gehe ich jede Wette ein, dass das Gedicht NICHT von Tucholsky stammt. Auch wenn das auf diversen Internet-Seiten standhaft so behauptet wird.

Manche Gerüchte sind eben standhaft. Meine Eltern glauben immer noch, die "Unvollendete" stamme von Beethoven. Und es gibt genug Deutsche, die glauben, das Nordkap sei die nördlichste Erstreckung des europäischen Festlands.

Aber jetzt wird es off-topic.

Gruß
Ralf B.

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

Ich würde auch wetten, dass es NICHT von Tucholsky stammt. Scheint mir von der Wortwahl her unwahrscheinlich.

saibot hat gesagt…

nicht von Tucholsky, aber das Gerücht hält sich hartnäckig.
siehe http://www.sudelblog.de/?p=378

Ralf Bodemann hat gesagt…

Nun ist alles klar.
Die Lorbeeren gebühren anscheinend einem gewissen Richard G. Kerschhofer, der das Gedicht hier unter dem Pseudonym Pannonicus erstmals veröffentlichte.

Die Geschichte der falschen Tucholsky-Urheberschaft ist hier sehr schön nachvollzogen.

Gruß
Ralf,
freut sich, einen Beitrag zur Transparenz und Wahrheitsfindung geleistet zu haben

Bernhard Becker hat gesagt…

Hallo an ALLE,

wichtig ist aus meiner Sicht einfach, dass es passt, oder?

.. etwas adäquates habe ich eben rein bekommen, und gebe dies gerne auch hier weiter!

Endlich mal eine einfache Erklärung !

"Chuck und sein Gaul" oder: "Wie das amerikanische Finanz-System funktioniert"

Der junge Chuck will mit einer eigenen Ranch reich werden. Als Anfang kauft er einem Farmer ein Pferd ab. Er übergibt dem Farmer seine ganzen 100 Dollar und dieser verspricht, ihm das Pferd am nächsten Tag zu liefern.

Am nächsten Tag kommt der Farmer vorbei und teilt Chuck eine schlechte Nachricht mit: "Es tut mir leid, Kleiner, aber das Tier ist in der Nacht tot umgefallen." Meint Chuck: "Kein Problem. Gib mir einfach mein Geld zurück.
"Geht nicht", eröffnet ihm der Farmer. "Ich habe das Geld gestern bereits für Dünger ausgegeben."

Chuck überlegt kurz. "Na dann", fängt er an, "nehme ich das tote Biest trotzdem." "Wozu denn?" fragt der Farmer. "Ich will es verlosen", erklärt ihm Chuck. "Du kannst doch kein totes Pferd verlosen!", staunt der Farmer.
Doch Chuck antwortet: "Kein Problem! Ich erzähl' einfach keinem, dass es schon tot ist..."

Monate später laufen sich Chuck - fein in Anzug und schicken Schuhen - und der Farmer in der Stadt über den Weg. Fragt der Farmer: "Chuck! Wie lief's denn mit der Verlosung des Pferde-Kadavers?" "Spitze", erzählt ihm Chuck.
"Ich habe über 500 Lose zu je 2 Dollar verkauft und meine ersten 1'000 Dollar Profit gemacht."

"Ja... gab's denn keine Reklamationen?" "Doch - vom Gewinner", sagt Chuck.
"Dem habe ich dann einfach seine 2 Dollar zurückgegeben."

Heute verkauft Chuck strukturierte Finanzprodukte bei...sucht Euch einfach einen aus. Ich möchte keine Schleichwerbung machen.

Quelle mir noch unbekannt.

Liebe Grüße

Bernhard :-)