Freitag, 3. Oktober 2008

Mit Hypnose zum Nichtraucher


Ein Tipp für Hypnotherapeuten, die Antiraucher-Behandlungen anbieten:
Verlangt von Euren Klienten, dass sie drei Tage vor der Behandlung nicht rauchen.

Der Grund dafür ist schnell erklärt: Man kann mit Hypnose niemanden dazu bringen, mit dem Rauchen aufzuhören; man kann lediglich dafür sorgen, dass einer, der aufgehört hat, nicht wieder anfängt.

Wenn Ihr vom Klienten verlangt, dass er seinen Teil der Verantwortung übernimmt und nicht einfach passiv dasitzt und von Euch irgendwelche Wunder erwartet, dann könnt Ihr sehr viel Frust vermeiden, und die Erfolgsquote wird um ein Wesentliches höher.

Ein Video zum Thema Antiraucher-Therapie mit einer eindrücklichen Demonstration des Hypnotherapeuten Ulrich Freund kann man hier kaufen.


Kommentare:

Stefan Blohm hat gesagt…

Lieber Hans-Peter,

hast Du mal geraucht?

Ich ja, und zwar SEHR intensiv. Drei Tage nicht rauchen? Das ist für einen Suchtraucher, wie ich es war, nicht möglich. Da war ja schon ein Kinofilm ein Problem und ein Transatlantik-Flug hat mir Panikschübe versetzt und mich zu geradezu unglaublicher Kreativität angestachelt, unterwegs doch rauchen zu können; aber das ist eine andere Geschichte ...

Besser gesagt: Als es mir zum ersten Mal gelang, drei Tage nicht zu rauchen, da hatte ich es auch schon fast geschafft und hätte den Therapie-Termin wohl abgesagt.

Also, insofern ist es ein "genialer" Trick, drei Tage Nichtrauchen zu verlangen. Der Klient kommt dann schon halb geheilt zur ersten Therapiestunde, wenn er denn kommt. Wer damit Geld verdienen möchte, sollte das dem Klienten aber erst zur Aufgabe machen, nachdem er die erste Rate bezahlt hat ;-)

Ja, ich weiß, das die ersten drei Tage nur die halbe Miete sind. Es geht dann noch weiter und die Rückfallgefahr ist groß und eine thearpeutische Begleitung ist da sehr sinnvoll.

Aber: Auch in den ersten drei Tagen hätte Hypnose mir sehr helfen können, wie ich heute weiß.

Warum also auf bessere Erfolgschancen und mehr Honorar für den Therapeuten verzichten?

Herzliche Grüße und bis Montag!
Stefan

Alexander hat gesagt…

Meiner (subjektiven) Erfahrung nach gibt es unterschiedliche Rauchertypen, bei manchen ist es lediglich eine schlechte Angewohnheit, denen es nicht viel ausmacht, längere Zeit nicht zu rauchen. Da mag das durchaus funktionieren.
Bei mir war es allerdings so, dass ich sogar Nachts noch zum Automaten gefahren bin, wenn ich um 4 Uhr nicht mehr schlafen konnte und keine Zigaretten mehr im Haus waren.
Irgendwann reifte dann die Erkenntnis, dass dies das dümmste Verhalten war, was man sich vorstellen kann. Als ich das dann verinnerlicht hatte, war es eigentlich keine grosse Sache mehr mit dem aufhören, Man muss lediglich noch das Verlangen entschärfen (ich hab das mit Klopfakupressur und dem "Tief durchatmen" wie es in "Großerfolg im Kleinbetrieb" empfohlen wird bewerkstelligt) Desweiteren ist es hilfreich, sich nicht mehr mit dem Rauchen zu identifizieren, das Rauchen aufzugeben bedeutet auch, einen Teil seiner Identität zu verlieren, z.B. nicht mehr der gesellige Typ zu sein, der erstmal in Ruhe eine durchzieht, bevor er an die Arbeit geht etc. Und ganz wichtig ist auch, sich nicht unter Druck zu setzen, unter Stress raucht es sich nämlich am liebsten.
Dies sind meine persönlichen Erfahrungen, ich habe 16 Jahre lang geraucht und im Januar bin ich 2 Jahre Rauchfrei.

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

@stefan:

Ja, ich habe früher auch geraucht. Und irgendwann habe ich mit dem gleichen Willen aufgehört, mit dessen Hilfe ich angefangen hatte.

Wie hast Du es denn geschafft?

Anonym hat gesagt…

Hallo ihr!

Inwieweit dieser Vorschlag therapeutisch sinnvoll ist, kann ich nicht beurteilen. Ungewöhnlich ist es aber aus meiner Sicht schon, als Therapeut von seinem Klienten nun genau das zu verlangen, was durch Therapie erst (wieder) möglich gemacht werden soll.

Ist es denn nicht gerade typisch für Süchtige, einerseits die eigene körperliche und psychische Abhängigkeit und ihre negativen Konsequenzen zu erkennen, andererseits aber eben nicht fähig zu sein, dem Erkennen auch Taten folgen zu lassen? Und konsultiert ein solcher Mensch nun nicht genau aus diesem Grund einen Therapeuten? Und sollte dieser nun nicht alle Barrieren aus dem Weg räumen, statt weitere hinzuzufügen?

Marketingtechnisch ist es allerdings schon geschickt: Man definiert den Gelegenheitsraucher (also quasi-Nichtraucher) als Zielgruppe und akzeptiert auch nur diese als potentielle Klienten, verlangt von ihnen drei Tage Rauchabstinenz (was denen nicht schwer fällt) und festigt und verankert dieses Verhalten mittels Hypnose. Als Therapeut hat man ein einfacheres Leben und eine Erfolgquote nahe 100%, die man natürlich auf der eigenen Homepage entsprechend kommuniziert. Therapie durch Selektion der Gesunden. Auch ne Methode. Ist spitz formuliert, ich weiß, aber auch nicht gänzlich abwegig.

Fairerweise muss ich aber auch vermuten, dass der Satz: "Ich will mit dem Rauchen aufhören." häufig ein Lippenbekenntnis ist und für einen Therapeuten wohl nichts frustrierender ist, als ein Klient, der eigentlich keine Behandlung will. Insofern erscheint es mir plausibel an der Stelle einen gewissen "Nachweis der Ernsthaftigkeit" zu verlangen.

Nun kann man seinem Körper ja auch ohne zu rauchen Nikotin zuführen, etwa durch Pflaster oder Kaugummi. Gelingt es dem Klienten trotz Nikotinersatz nicht, wenigstens 3 Tage vom Glimmstängel wegzukommen, so stellt sich dem Therapeuten eine bereits bekannte Frage etwas dringendlicher: Was ließ sich durch das Nikotinpflaster/Kaugummi nicht ersetzen?

Ich selbst habe am 29.01.2008 aufgehört. Tägliches Pensum war etwa 14 bis 15 Zigaretten am Tag. War also ein moderater Raucher, wie ich finde.

Meine Methode:

1. Sich klar machen, dass der grösste Teil der Sucht psychisch bedingt ist. Entzugserscheinungen redet man sich meistens nur ein (war bei mir so). Manche werden wohl alleine deshalb hibbelig, weil sie gar keine Entzugerscheinungen bekommen …
2. Eine Aufgabe suchen mit der man sich ein Weilchen beschäftigen kann: Ich habe angefangen mir die eingesparten Kosten auszurechnen ca. 3 Euro/Tag + Verdienstausfall durch Raucherpausen (etwa 20 Minuten/Tag). Mit dem gesparten Geld kann man schön Essen gehen :-)
3. Sich klarmachen, woran man seinen eigenen körperlichen Entzug erkennt. Bei mir war es so, dass sich meine Muskeln irgendwann in etwa so anfühlten, wie nach einem 100 Meter-Lauf (also leicht übersäuert). Ferner, dass ich anfing „gereizt“ über die Dinge die mich beschäftigten nachzudenken.
3a. In solchen Momenten (und NUR in solchen Momenten) hab ich ein Nikotinkaugummi eingeworfen. Es wurden automatisch von Tag zu Tag weniger. Hab mir nur drei Packungen Nikotinkaugummi a 24 Stk. kaufen müssen. (Im übrigen: Trotz der "hohen" Preise für Nikotinkaugummis hat es sich bei mir AB DEM ERSTEN Tag auch finanziell gerechnet …)

Was ich befürchtet hatte und sich als falsch herausgestellt hat:

Ich hatte Sorge, dass ich 20 Kilo zunehmen würde: Völlig unbegründete Sorge. Es wurden nur 10 Kilo :-) ...

Dauerhaft Gereiztheit: Wenn die körperlich Abhängigkeit erstmal überwunden ist (nach ca 4-6 Wochen), erledigt sich das Thema … nunja … zumindest bei normalen Menschen.

Folterqualen während des Entzugs: Völliger Unfug. Die Behauptung, Nikotinentzug sei mit Heroinentzug vergleichbar oder ähnliche Vorstellungen entstammen vermutlich den Marketing- ähhh Forschungsabteilungen der Tabakkonzerne.

2 Methode (von einem Kollegen getestet)

Nach einer längeren Grippeerkrankung einfach nicht mehr mit dem Rauchen anfangen. Die meisten Raucher stellen das Rauchen während einer Krankheit ein oder reduzieren es erheblich.

Manchmal muss man erst krank werden um richtig zu handeln …

Mit freundlichen Grüßen
Andreas Finke

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

@ Andreas Finke:

Das Problem für die meisten Raucher ist nicht das Aufhören, sondern das Nicht-wieder-anfangen.

Die Motivation für das Aufhören ist nicht etwas, was der Therapeut vermitteln kann. Diese Motivation muss intrinsisch sein, d.h. vom Klienten selbst kommen.

Wenn der Klient nicht fähig ist, eine Stunde ohne zu rauchen zu sein, steckt etwas Tieferes dahinter, das er mit aufdeckenden Hypnose-Verfahren bearbeiten muss. Leider wollen wenige wirklich hinschauen. Man nennt das auch primären Krankheitsgewinn, wenn jemand sagt: "Mir geht's blendend; mein einziges Problem ist das Rauchen."

Jeder Raucher schafft es, eine Nacht lang nicht zu rauchen oder einen 16stündigen Flug zu überstehen. Also ist es nicht zu viel verlangt, als Zeichen seiner Motivation von ihm zu verlangen, dass er drei Tage abstinent bleibt.

Frederik Kreijmborg hat gesagt…

Meine Rauchgewohnheiten sind einfach erklärt: Ich rauche, wenn ich eigentlich etwas anderes tun möchte, zum Beispiel unterhalten, essen, Sex haben, weinen, lachen, etc..

Sobald ich "Glück" empfinde, bin ich absolut rauchfrei, sprich: Frei von jeglichem Gedanken und eingebildetem Bedürfnis nach einer Zigarette.

Mir geht es gut, wenn ich die anderen, WIRKLICHEN Bedürfnisse auslebe und mich sozusagen gehen lasse.

Jetzt gerade möchte (witziges und absolut falsches Hilfsverb!) ich eine Zigarette rauchen und nachdem ich wieder einmal darüber nachgedacht habe, dass es Blödsinn ist, lasse ich es für jetzt einfach sein. Der Tabak liegt neben mir auf einem Tisch, der Aschenbecher steht daneben und ich könnte echt mal ne Fluppe gebrauchen ;-)

Danke, lieber Hans-Peter! Immer dann, wenn ich deine Seiten besuche, geht es mir erstens wie durch Zauberhand besser und zweitens habe ich wieder etwas gelernt.

Ciao,
Frederik