Sonntag, 27. April 2008

Wofür werden Seminarleiter bezahlt?

Gestern traf ich in London einen Seminarleiter, der mir gestand, er könne stundenlang auf der Bühne stehen ohne Pause, und er sei auch nach einem Seminar noch tagelang total aufgekratzt. 

Die Frage sei erlaubt, ob da die Energie nicht in die falsche Richtung fliesst. Dazu müsste man sich die Seminarteilnehmer nach dem Seminarbesuch anschauen. Natürlich kann es vorkommen, dass ein Teilnehmer so viel positive Veränderung erlebt hat, dass sein Nervensystem diesen Stress erst einmal verarbeiten muss. Aber grundsätzlich sollte am Ende des Seminars eher der Seminarleiter müde und die Teilnehmer topfit sein.

Wenn Ihr also nach einem Seminarbesuch nudelfertig seid, und der Seminarleiter ist topfit, dann habt Ihr möglicherweise doppelt bezahlt, einmal mit finanzieller und einmal mit persönlicher Energie. 

Was meint Ihr dazu? Und was für Erfahrungen habt Ihr gemacht?

6 Kommentare:

Hubert Thomas hat gesagt…

Hallo Hans-Peter,

dem kann ich nur voll und ganz zustimmen. Ich war höchst erstaunt, als kürzlich die Teilnehmerin eines Mentaltrainings, bei dem der Eintritt nur 1,- Euro gekostet hat, hinterher ein-einhalb Wochen gebraucht hat, um sich zu erholen. Und dann meinte sie dazu, das war ein geniales Seminar!

Boris Mallkowsky hat gesagt…

Hallo Hans-Peter,
da bleibt mir nichts übrig als dir beizupflichten. Sehr oft erlebe ich die unterschiedlichsten Seminare und die dazugehörigen Leiter und Teilnehmer. In meiner Nachbarschaft befindet sich ein "mentales Fitnesstudio", das für die unterschiedlichsten Vorträge Räume anbietet. Hier engagiere ich mich und betreue gegen freie Teilnahme die Kasse und ähnliches. Zu vielen Leitern, Dauergästen und Seminarhoppern entsteht oft eine längere Bindung.
Viele Leiter hinterlassen richtige Energielöcher und tanken selbst auf. Erfahrungsgemäß arbeiten Diese vorrangig mit Angstmustern und schüren eher Fluchtängste um zu "motivieren" und langfristig die Leute an sich zu binden. Viele winken mit der Lösung für Probleme, die die Teilnehmer vorher gar nicht hatten.
Andere Seminarleiter kriechen fast aus dem Seminar. Sie schmeißen sich voll in die Lösung der Probleme der Teilnehmer und erreichen viel positives. Der Energiefluß ist bei den Teilnehmern angekommen und innerhalb von 2 Tagen ist auch der Leiter wieder auf dem Damm und aufgetankt.
Die dritte Kategorie kriecht ebenfalls, aber aus anderen Gründen. Man sieht Ihnen förmlich an, dass Sie die Probleme der Teilnehmer mit nach Hause nehmen. Sie leiden richtig mit. Dummerweise kriechen hier auch die Teilnehmer oft völlig fertig aus dem Raum. Sie bekamen Mitleid wo sie eigentlich Hilfe erhofft hatten.
Für mich sind dass natürlich die besten Zeichen und Wegweiser für meine Tankstellen. Zu denen auch seit Jahren Deine Seite gehört. Zwar kenne ich Deine Teilnehmer nicht. Deine offene, fröhliche und direkte Art spricht aber für sich. Vielen Dank dafür.

Mit herzlichen Grüßen

Boris Mallkowsky
Kaimsgasse 6
96052 Bamberg

Henri Apell hat gesagt…

Verrat mir/uns doch, wer es war. Oder zumindest welche Seminarausrichtung? Etwa NLP???

Stefan Blohm hat gesagt…

Ende März war ich beim Grundlagenseminar eines bekannten Schweizer Trainers. Nennen wir ihn hpz (Name ist der Redaktion bekannt). Er erschien nach dem Seminar Topfit (obwohl er viel geleistet hat); ebenso ich selbst und auch die anderen Teilnehmer :-)

Vielleicht gibt es einfach eine Win-Win-Situation in guten Seminaren und keiner muss am Ende kaputt oder fertig sein.

Viele Grüße
Stefan Blohm

Fabrizio hat gesagt…

Hallo Hans-Peter,

aus meiner Erfahrung kann ich berichten, dass ich nach einem 5-Tages-Seminar fix und foxi bin und zwei Tage brauche, um meine Batterie wieder aufzuladen.

Die Teilnehmer berichten im Anschluss , dass es sehr intensiv war, aber sie ständig darüber verwundert sind, wie schnell die Zeit vergeht.

Bei der Verabschiedung nach 5 Tagen sehe ich rundum glückliche und zufriedene Gesichter und die Rückmeldungen unterstreichen das.

Ich denke, ein guter Seminarleiter ist in erster Linie für seine Teilnehmer da, nicht für sich selbst oder schlimmer noch: um jemandem etwas beweisen zu müssen (sich selbst?). Zu oft werden so aus Seminarteilnehmern schlicht Versuchskaninchen gemacht.

Weitere Eigenschaft eines guten Seminarleiters in meinen Augen ist, dass dieser nicht nur "Lehrer" ist, sondern sich genauso darüber gewahr ist, dass er auch "Schüler" ist. Bisher konnte und durfte ich von jedem Teilnehmer viel Gutes mitnehmen und lernen.

Liebe Grüße,

Fabrizio

Mario hat gesagt…

Hoi Hans-Peter
... kenne ich das Thema nicht schon seit meiner Schulzeit? Da gab/gibt es auch einige Lehrer oder besser gesagt Leerer die das Handwerk des Energieabsaugens voll im Griff haben.
Seit ich suggestopädisch arbeite (mit optimaler Rhythmisierung) bin ich nach einem Seminartag immer noch relativ fit. Der Energiefluss sollte vom Seminarleiter zu den Teilnehmer/innen fliessen... und was freiwillig zurück kommt darf der Seminarleiter gerne annehmen. –Danke für den Eintrag... ich finde das Thema sehr spannend!- Gruess Mario