Dienstag, 18. März 2008

Ist jeder Nicht-Millionär ein Depp?

Also, das war so:

Im Juli 2007 wurde ich von ein paar Lesern gefragt, was ich von den Angeboten eines Dr. Oliver Pott hielte. Da ich diesen Mann bis dahin nicht gekannt hatte, beschaffte ich mir eines seiner DVD-Seminare und schrieb im Power-Letter Nr. 127 Folgendes:
Ich habe mir sofort sein DVD-Seminar besorgt und halte den Mann für marketingmäßig mindestens so gut drauf wie mich, aber auch für genau so seriös.
Wer im Internet eine Marktnische finden und in erster Linie Geld verdienen will, der ist mit Oliver Pott womöglich sogar besser bedient als mit mir.

Nun schickt mir Oliver Pott sein neues 5teiliges DVD-Set Internet-Millionär in 24 Monaten mit der Bitte, es ebenfalls zu rezensieren. Und da muss ich jetzt schweren Herzens etwas zurück buchstabieren, was mein Urteil angeht. 
Während die erste DVD Oliver Pott ganz schlicht während eines Live-Seminars zeigte, soll uns im neuen Programm offenbar der Duft der großen, weiten Welt um die Nase wehen. Oliver Pott trifft sich an verschiedenen Orten in Monte Carlo mit verschiedenen Menschen, die von sich behaupten, Millionär zu sein und das offenbar als DIE menschliche Qualifikation schlechthin halten. Außerdem werden sämtliche Klischees bedient, wie das Leben der Reichen und Schönen dieser Welt auszusehen habe: Champagner, Ferrari, Maßanzug und Motoryacht lassen grüßen.

Wohlverstanden, das Video ist professionell gemacht, und auch die Inhalte stimmen nach wie vor. Allerdings kommt mir das Ganze doch etwas aufgebauscht vor. Die zwei Haupt-DVDs könnte man genau so gut als Audio-Produktion verkaufen, vorausgesetzt, der Zuhörer kann sich einen Ferrari in Monte Carlo vorstellen, denn zu mehr dient der Bildkanal hier nicht. 
Die Bonus-DVDs sind außer dem Name-Dropping-Effekt und ein bisschen Werbung für die Protagonisten absolut sinnlos. Oder hättet Ihr gedacht, dass es zum Erfolg ein Ziel braucht? Das nämlich ist die Haupt-Aussage von Erich Lejeune, der (oh Wunder!) Zeit gefunden hat, rasch in Monte Carlo vorbei zu schauen. Der kluge Zuschauer merkt übrigens sofort: Viele Reiche haben gar keine Zeit, ihre Yacht in Monte Carlo zu genießen, weil sie eben nur reich sein wollen um des Reichseins willen. Nicht wirklich mein Ding!

Oliver Potts Haupt-Gesprächspartner Helmut Ament bringt wenigstens noch ein wenig von der "Das-Ganze-muss-auch-noch-Freude-machen"-Kultur rüber. Ob er das auch lebt, kann ich nicht beurteilen. 

Pott wendet, wie immer, seine Scarcity-Marketing-Masche an (Scarcity = Knappheit) und verspricht, höchstens 3000 DVD-Sets auszuliefern, weil "alle 4 Millionäre haben derart viel Wissen beigesteuert, dass wir uns davor schützen müssen, es allzu sehr zu verbreiten - sonst würden wir eventuell unseren eigenen Internet-Umsätzen schaden."
Außerdem bietet er eine Garantie: Wenn einer mit diesen Techniken nicht mindestens 1000 Euro verdient in den ersten 30 Tagen, bekommt er das Geld zurück und darf die (dann ja wohl wertlose) DVD behalten. Das sei eine echte Garantie. Nur, ich halte dagegen: 24 mal 1000, das sind 24'000 Euro und nicht eine Million. Und die 1000 Euro im Monat wird ja wohl noch jeder Trottel schaffen, auch ohne Pott-DVD.

Interessant ist auch die Preisgestaltung für dieses jüngste Produkt: Vom empfohlenen Verkaufspreis von 799 Euro bis zum günstigsten Ebay-Angebot von 56 Euro ist alles vertreten. Nun könnte man natürlich argumentieren, für die Ebay-Preise könne Oliver Pott nichts. Falsch. Wenn man die DVDs genau studiert, dann hört man auch seinen Tipp, man solle bei Ebay ein paar Angebote zum Einstandspreis einstellen, um Adressen zu sammeln. Ist legal, logisch. Ob es seriös ist, muss jeder selbst beurteilen.

Fazit: Wenn Oliver Pott langfristige Kundenbindungen aufbauen möchte, ist das meiner Meinung nach die falsche Strategie. Mit Porsche, Champagner, Kaviar und Rolex zu prahlen, mit Knappheit zu drohen und seltsame Garantien anzubieten, wird ihm eine entsprechend "billige" und leichtgläubige Kundschaft einbringen. Wenn er das will, wünsche ich ihm viel Spaß damit.

Übrigens... wer auf www.millionaer24.de geht, wird mit einem professionell gemachten, "handgeschriebenen" Post-It-Zettel begrüßt, der ihm sagt "Keine Bestellannahme mehr". Jetzt habt Ihr es also verpasst, das Geheimnis zu erfahren. So was Blödes! Aber keine Sorge: Das nächste Produkt kommt bestimmt. Dann werden zwei Ferraris gezeigt, zum doppelten Preis natürlich. Dann aber nicht wieder verschlafen, ja?

Kommentare:

Daniel hat gesagt…

Ich hatte ehrlich gesagt nichts andreres erwartet. Wer auch nur mal eine seiner "Geld mit Gewinnspielen" oder "Mit Domains reich werden" Emails bekommen hat - alle nur zum Zweck über Partnerlinks Geld einzusammeln - der hat sich hoffentlich den Kauf der DVDs verkniffen. Per Google findet man verheerende Kritiken zu den DVDs (eine soll nur 7 Minuten dauern?), jedenfalls ist das ganze Marketing nur an die niedersten Instinkte gerichtet. Ich denke er hat sein Ziel erreicht, schnell seine Abonnenten maximal abzumelken .

zimi hat gesagt…

Kling nach der guten alten Weisheit: Aus der Distanz sieht er aus wie ein Idiot, aus der Nähe betrachtet ist er einer :-)

Stef hat gesagt…

Also, 34 Tage Rückgaberecht gibt er. Na ja, 4 Wochen sind es schon gesetzlich. Das relativiert das "großzügige" Angebot.

Aber, lieber Hans-Peter, wenn Du nun ein Produkt im Wert von 799 Euro erhalten hast, dann bist Du um diesen Betrag vermögender geworden und musst ihn versteuern :-) Also, da würde ich die DCDs doch ganz, ganz schnell zurückschicken ...

Herzliche Grüße
Stefan

Hans-Peter Zimmermann hat gesagt…

Leute. es war nicht meine Idee, dass Ihr jetzt alle Euren Frust an Oliver Pott abreagiert. Oliver Pott erzählt viel Brauchbares. Ich würde ihn sogar als den Professor Vögele des Internet-Zeitalters bezeichnen. Nur hätte eben auch Vögele heute etwas Mühe mit diesen Methoden, die ans Bauernfängerische grenzen, und die gerade im Business-to-Business-Bereich wenig Chancen haben.

Aber es gibt ja noch die Network-Marketer und alle anderen, die schnell und mit wenig Anstrengung reich werden wollen. Die müssen auch bedient werden, und wenn es auch nur den Zweck hat, dass sie mal auf die Schnauze fallen und dann richtig arbeiten lernen ;-)

Andreas Frenzel hat gesagt…

Möchte auch mal meinen Senf zu Oliver Pott abgeben.
Ich bin damals durch Hans Peters newsletter darauf aufmerksam geworden. Habe mir das erste DVD Seminar bestellt und war zwischen Frust und Begeisterung völlig hin und her gerissen.
Frust: Die Preise sind ziemlich gesalzen. Lust: Vor ca. 2 Jahren habe ich wesentlich mehr in meine Internetseite investiert und es ist rein gar nichts damit passiert.

Habe mir auch noch verschiedene andere Produkte von Oliver Pott bestellt. Ich denke, wenn man ein wenig Ahnung hat, gibt es eine Menge weiterer wichtiger Tipps. Vorallem kann man sehr gut studieren, wie er sich selbst vermarktet.
Für Anfänger ist es definitiv nicht geeignet. Dafür habe ich dann das online Studium bei Hans Peter belegt. Hier bekommt man die basics. Damit habe ich in 3 Monaten um ein vielfaches mehr erreicht, al s in den zwei Jahren zuvor.

Anonym hat gesagt…

hallo andreas frenzel, du schreibst, dass gar nichts passiert ist mit deiner internetseite... ja es ist eben so, dass man auch den acker auf dem man ausät bestellen muss, sonst wird nichts wachsen ausser dem unkraut. meine seiten habe ich eingestellt, selber bearbeitet und natürlich überall in foren und blogs bekannt gemacht. du kannst ja mal auf www.internetbaron.de deine seite checken und sehen, wieviel backlinks auf deine seite linken. ich habe nicht einen link gekauft. es ist natürlich auch wichtig dass man die richtige seite ins netz stellt. marktforschung ist auch hier angesagt. ich verdiene mit meiner seite monatlich zwischen 12000 und 13000 Dollar. ich schlafe aber nicht auf meinen lorbeeren, denn andere schlafen auch nicht, also mache ich weiter, hege und pflege meine seiten, dass ich nicht wieder nach hinten rutsche.
gruss madeleine